Die Angerapp

Die  Angerapp  ist ein Fluss in Ostpreußen  Der Name leitet sich von prußisch angurys-ape ab und bedeutet auf Altpreußisch „Aalfluss“.

Die Angerapp entspringt in Masuren, verlässt bei Angerburg den Mauersee, durchfließt die Landkreise Angerburg, Angerapp (Darkehmen) und Gumbinnen  und bildet bei Insterburg zusammen mit der Inster und der Pissa den Pregel.  Im südlichen Teil des Kreises Angerapp mündet die Goldap, im nördlichen die Wiek in die Angerapp. Der Fluss war früher für seinen Fischreichtum bekannt. In Angerburg befand sich früher eine der größten Fischbrutanstalten Europas, in der vor allem Maränen gezüchtet wurden.


In der Gegend von Angerapp fließt das gleichnamige Flüßchen recht munter in einem tief eingeschnittenen Tal, auf der einen Seite mit Steilhang, auf der anderen sanfter ansteigend. Die Fließgeschwindigkeit der Angerapp war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das kleine Städtchen Darkehmen 1886 als eine der ersten Gemeinden des Deutschen Reiches auf seinen Straßen die "elektrische Beleuchtung mittels hohler Glasbirnen" einführte. Initiator war die "Mühle Wiechert", die sich ein fortschrittliches eigenes Kraftwerk zulegte und dabei auch gleich Strom für die Gemeinde produzierte.

Man installierte 16 Bogenlampen und vor jeder Lampe wurde bei der ersten Inbetriebnahme ein Tusch von der Stadtkapelle ausgebracht. Alles Volk hatte sich zu diesem Anlaß festlich gekleidet auf den Straßen versammelt, nur der amtliche Laternenanzünder war vergrämt. Der Strom kam von einer Wasserturbine mit einer Leistung von 30 PS, die an einem 3 m starken Gefälle der Angerapp aufgebaut worden war und zusätzlich noch weitere 107 Glühbirnen mit Strom versorgte, die im Magistrat, einigen Gasthäusern und vornehmen Bürgerhäusern brannten. Alle Welt kam damals in die ostpreußische Kleinstadt, um die Wirkung des neumodischen Lichts zu begutachten. 1907 wurde dann ein städtisches Elektrizitätswerk auf dem Markt errichtet, das seinen Zweck bis zum Anschluß an das Stromversorgungsnetz der Ostpreußen-AG. erfüllte.

Die Erinnerung an die Pionierleistung bei der elektrischen Straßenbeleuchtung hat sich erhalten. So wurde anlässlich des Stadtfestes 2006 eine Straßenlaterne an der Ecke Insterburger Straße/Kirchenstraße, die „Alte Laterne", die das Kreistagsmitglied Heinz Hohmeister aus Dresden mitgebracht hatte, in Anwesenheit des Bürgermeisters der Öffentlichkeit übergeben. Bei demselben Stadtfest wurde das alte Kriegerdenkmal erneut eingeweiht und die verloren gegangene Gedenktafel durch eine neue ersetzt.


Angerapp / bis 1938 Darkehmen (litauisch Darkiemis, polnisch Darkiejmy),
seit 1946 russisch: Osjorsk)
Von 1818 bis 1945 Kreisstadt im Regierungsbezirk Gumbinnen; 4376 meist evangelische Einwohner im Jahr 1939.
Das Tal des Flusses Angerapp war bereits in der Prußenzeit Siedlungsgebiet. Hier standen zahlreiche Fliehburgen und Siedlungen der heidnischen Nadrauer. Mit der Besiedlung des Gebiets durch den Deutschen Orden gegen Ende des 14. Jahrhunderts kamen von Gerdauen aus deutsche Siedler (die erste schriftliche Überlieferung stammt aus dem Jahr 1442) in diese hügelige Landschaft. Sie legten am linken Ufer des Flusses eine Siedlung an. Das Dorf Dargkyem (Darkyem, Darkeim) wurde zum ersten Mal im Jahr 1539 urkundlich erwähnt. 1615 hatte es eine Kirche, eine Mühle, einen Krug und einen wichtigen Flussübergang. Nach der Pestepidemie 1709–11 zogen in die fast entvölkerte Gegend im Osten Ostpreußens zahlreiche neue Siedler: vor allem Schweizer, Pfälzer, Württemberger, Nassauer und Salzburger.
Die Siedlung war danach als Ort der Tuchmacher und Lederverarbeiter (Gerber) bekannt. Die gitterförmig neu angelegte Siedlung Darkeim (mit einem Marktplatz), die von Joachim Ludwig Schultheiß von Unfried entworfen wurde, bekam 1725 von König Friedrich Wilhelm I. das Stadtrecht verliehen. Von 1739, als die Stadt zum Standort des Dragoner-Regiments Nr. 6 (von Zieten) wurde, bis 1918 war Darkehmen mit Unterbrechungen Garnisonstadt. 1754 bekam sie eine neue Kirche und 1777 ein Rathaus.

Nachdem die Kirche von 1754 bereits 1836 abgerissen wurde, entstand 1842 eine neue Pfarrkirche. 1878 erhielt Darkehmen eine Eisenbahnverbindung mit Insterburg sowie Goldap/Lyck, 1913 mit Gumbinnen und Angerburg. Nach dem Bau eines Elektrizitätswerks am Fluss führte Darkehmen als eine der ersten Städte Deutschlands und als erste Stadt Ostpreußens bereits im Jahr 1880 die elektrische Straßenbeleuchtung ein. Trotzdem, auch nach Aufblühen der Industrie zu Beginn des 20. Jh., blieb Darkehmen mit ca. 3500 Einwohnern (1905) ein Ackerbürgerstädtchen. Nach den Zerstörungen im 1.Weltkrieg wurde sie mit Hilfe der Patenstadt Dresden neu aufgebaut. Sie wurde zum beliebten Ausgangspunkt für Bootsfahrten (Angerapp, Pregel) und für Ausflüge an die Masurischen Seen. In den 20er Jahren des 20. Jh. war Darkehmen Sitz des Landratsamtes, einer privaten höheren Schule (seit 1929 Realschule), einer Volksschule, hatte ein Kreiskrankenhaus, zwei Altersheime, eine Maschinenfabrik und eine Molkereigenossenschaft. Im Jahr 1938 wurde sie in Angerapp umbenannt. Am 22.Januar 1945 marschierte die Rote Armee in die fast völlig zerstörte Stadt ein


Angerapp,
Fluß in Ostpreußen, entspringt aus dem Mauersee, nimmt die Goldapp, die Wiek und die Pissa auf und vereinigt sich oberhalb Insterburg mit der Inster zum Pregel; ist 172 km lang.
Goldap (Fluss)
Die Goldap (prußisch galdape: Fluss in der Mulde) ist ein 89 km langer Fluss im ehemaligen Gebiet Ostpreußens. Sie entspringt an der Seesker Höhe südlich der Stadt Goldap, durchfließt dann die Rominter Heide, bevor sie die nach ihr benannte Stadt Goldap erreicht. Nördlich des Dorfes Buddern mündet die Goldap dann in die Angerapp.
Wiek
Rechter Nebenfluß der Angerapp; entspringt im Kleschauer See, fließt über Grimmen, Kellmen, Großbachrode und Kleineschingen bei Wiekmünde in die Angerapp.

Pissa,
Fluß im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, in den Kreisen Goldap und Stallupönen, 80 km lang, ist der westliche Ausfluß des Wyßtyter Sees, nimmt bei Gumbinnen die Rominte auf und mündet kurz vor Insterburg in die Angerapp.

Paddeltour auf dem Fluss Pissa

Nebenfluss der Angerapp. Das ist der einzige Fluss, der aus dem grössten, tiefsten und reinsten See der Region auskommt und sein klares Wasser manchmal ruhig manchmal recht flottig nach dem 80 km langen Lauf in die Angerapp bringt. Die Kajaktour auf der Pissa kennzeichnet sich durch abwechslungsreiche und reizvolle Uferpartien, zahlreiche Windungen und Doppel-Flussbogen, artenreiche Ufer- und Wasservegetation, rauschende Schnellen und einige leichte Schwellen.

Gumbinnen
Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises in der Provinz Ostpreußen,
57 m ü. M., an der Pissa ,die hier die Rominte aufnimmt,

Rominte
Nebenfluss der Pissa, rund 100 km lang, fließt in Ostpreußen durch die Rominter Heide, mündet bei Gumbinnen in die Pissa.

Inster,
Fluß im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, entspringt nordöstlich von Pillkallen, fließt in südwestlicher Richtung und vereinigt sich westlich Insterburg mit der Angerapp.
Der durch diese Vereinigung gebildete Fluß führt fortan den Namen Pregel, ist 75 km lang.
Insterburg,
Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, dort, wo sich die Angerapp mit der Inster zum Pregel vereinigt,


Und immer wieder begleitet uns der Pregel - bis Insterburg. wie er aus dem Zusammenfluss von Angerapp und Inster entsteht. Dort, in der einstigen Hauptstadt der altpreussischen Landschaft Nadrauen, besichtigen wir die noch intakten Strassenzüge und verschaffen uns wiederum einen Rundumblick aus der Vogelperspektive. Die weiten Wiesen um Insterburg und die federnden Bögen entlang der Angerapp trugen dazu bei, dass die alte Garnisonsstadt zu einem Mittelpunkt der Region wurde.

Angerburg,
Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, am Ausfluß der Angerapp aus dem Mauersee gelegen, hat ein Seminar, eine Taubstummenanstalt und (1880) 4327 meist ev. Einwohner.


Unsere Angerapp
(Beiträge von Lieselotte Hä ft, Hans Wartat und Kurt Bartoleit)
Den Fluß, der Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende lang für die Menschen an seinen
Ufern Lebensgrundlage, Quell der Freude und sogar Symbol war, haben wir Tammowischker geliebt! Wer einmal mit Angerappwasser getauft worden ist, vergißt es nie — den zieht es immer wieder ans Wasser. Wie dazu unsere jungen Mädchen ihre Schönheit durchs Wasser erhielten, erzählen wir später.
Die Angerapp entspringt im Mauersee, fließt an Angerburg vorbei und durch die Stadt Angerapp und berührt die Dörfer und Güter mit den typisch ostpreußischen Namen wie Launingken, Dombrowken Broszeitschen, Medunischken, Palledaunen, Balschkehmen, Krausleidszen, Awenigken, Sabadszunen, Judtschen, Jodszleidszen, Kraupischkehmen, Lenkeitschen und Pakalehnen (leider verloren sie 1938 beim „Eindeutschen" ihre schönen uralten Namen), bevor das Wasser bei uns in Tammowischken vorbei fließt. Sie nimmt mehrere kleine und einige größere Nebenflüsse auf, so auch die Goldapp und die Pissa bei Stobingen und ist 169 Kilometer lang, wenn sie nach Tammowischken an Kamswyken und
— Piragienen vorbei fließt und sich nördlich von Insterburg mit der Inster zum Pregel vereint und ihren Namen verliert. Bei den alten Prussen hieß der Fluß Arß.
So wie die Angerapp in ihrem ganzen Verlauf viele Windungen und Kehren macht, verläuft sie auch im Bereich Tammowischken; vom Zufluß der Pissa am „Kreuzpregel" bis zur Chaussee ist sie schließlich fast 5 Kilometer lang. Auf dieser Strecke ist viel, viel passiert!
Zugang zum und Übergang durch den Fluß gab es durch mehrere Schluchten, Durchfahrten und einige Furten, aber es gab keine Brücke. Die erste Schlucht war die „Katnuppus", wenige 100 m von der Chaussee entfernt. Die Katnuppus war immer ein wenig unheimlich, viele Geschichten rankten sich um sie. Wir scheuten uns, zu später Stunde oder nachts an ihr vorbei zu gehen oder zu fahren. Es seufzte und rauschte immer in ihren Bäumen und Büschen, für alle Kinder und Jugendlichen war es zumindest unheimlich und geheimnisvoll. Die nächste
Schlucht war der Kirchhofsgraben am alten Friedhof, aber die wichtigste für uns war die „Lopke", mitten im Dorf in einer Senke hinter dem Gasthaus führte sie als tiefer Einschnitt hinunter zur Angerapp. Die bis zu 20 Meter hohen Hänge waren mit Bäumen und Büschen bestanden, der schmale Fußweg war ziemlich ausgewaschen, an den breitesten Stellen vielleicht 2 Meter breit und an den Rändern unregelmäßig mit großen Steinen besetzt. Die nächste Schlucht war die „Grabatus" hinter der Scheune des alten Pasenauschen Gehöfts.
Diese Schlucht war in die Viehweiden einbezogen, so daß Pasenaus bzw. später Radtkes Vieh das Unkraut und die Büsche immer kurz hielten, und der Fußweg zu der Badestelle an der Angerapp frei blieb. Die letzte Schlucht war die Tannenschlucht, die von Radtkes Ackerland zu den Angerappwiesen führte.
Furten gab es hinter dem Schloßberg von Wartats Land nach Siegmanten und am Ende der Wiesen von Radtkes zu der Siedlung Pakalenen.
Die Angerapp war bei uns ein 20 bis 30 Meter breiter, meist ruhig fließender Fluß; der Untergrund war teils sandig, teils steinig, aber auch modrig. So wie viele Dörfer und Städte an
Flüssen entstanden, so haben auch unserer Urväter, die alten Prussen und später die Preußen gedacht, daß es sich an dem Platz der Angerapp gut siedeln ließe; und sie taten es bis zu unserer Generation; selbst die Russen haben nach 1945 wieder ein fast neues Dorf aufgebaut.
Dieses Stückchen Fluß gehörte zu uns — und wir zu ihm und das eben seit vielen
Generationen. Das Wasser war die Lebensgrundlage für Mensch und Vieh. Grand und Sand wurden vom Flußbett herausgeholt, um Mauern, Häuser, Ställe und Wege zu bauen. Auch der Fischreichtum war ein Teil der Nahrungsgrundlage. Zu unserer Zeit hatten viele Haushalte einen Kescher, mit dem die Männer abends runter zum Fluß gingen. Die riesigen dreieckigen Gestelle wurden von je einem Mann innerhalb einer Reihe so aufrecht gehalten, daß die ganze Flußbreite abgesperrt war; die Netzspitzen lagen ein paar Meter zurück Jungen Burschen
starteten nun einen Kilometer flußaufwärts mit langen Stangen damit, die Fische unter den Weidebüschen aufzuscheuchen und in die Kescher zu treiben. Die Methode hatte im Sommer in der Nacht meistens einen guten Erfolg. Auch viele Angler versuchten ihr Glück.

Wir Kinder haben mit Heuschrecken oder Würmern „Grussels" geangelt; auch versuchten wir, mit Gabeln nach Fischen zu stechen, die sich unter großen Steinen aufhielten. Hatten wir mal ein paar Fische zusammen, wurden sie nach dem Ausnehmen über einem Feuer gesotten und beräuchert — sie haben uns immer köstlich geschmeckt.
Das Nutzungsrecht zum Fischen in der Angerapp gehörte wohl nur bis zur Flußhälfte zu Tammowischken. Jabeau bzw. Vollmer hatte die 3 Kilometer Angerapp bis hinter den Schloßberg weit hinter den alten Friedhof gepachtet und konnte dementsprechend Angelrechte vergeben. Die älteren Rentner des Dorfes waren oft beim Angeln an der Angerapp.
Die Angerapp spielte mit ihrem klaren Wasser und den schönen Wiesen auch ein Rolle für das Spülen und Bleichen der Wäsche. Bei der großen Wäsche zog so manche Hausfrau mit ihren Helferinnen an den Fluß, urn die Wäsche zu spülen und nachher zu bleichen. Dazu wurde die Wäsche auf einer Grasfläche ausgebreitet, bei unserem heißen ostpreußischen Sommerwetter war sie bald trocken. Danach mußte sie wieder mit Flußwasser besprengt werden, das wiederholte sich mehrfach. Auf die Art und Weise haben unserer Vorfahren,
wohl auch die alten Prussen, schon gewebtes graues Linnen gebleicht. Wobei unsere Großmütter uns berichteten, daß gerade die Mondscheinbleiche besonders erfolgreich sein sollte!
Sobald die Wassertemperaturen in der Angerapp das Baden ermöglichten, 18 Grad galten schon als warm, begann das Baden in der Angerapp; im Sommer war es dann das größte Vergnügen für alle. Einige wenige Damen konnten schon am Vormittag baden, die Kinder haben dann den ganzen Nachmittag dort verbracht; am Abend fanden sich die größeren
Jugendlichen zum Baden und gemütlichen Zusammensein am Badestrand der Angerapp ein.
Dazu kam oft auch die Jugend aus Stobingen. Neben vergnüglicher Unterhaltung wurden ausgiebig Volkslieder gesungen, aber auch beliebte Schlager. Manchmal wurde der Gesang von einer Handharmonika begleitet. Nicht immer verweilte die Jugend am Badestrand, zwischendurch wurde zum Kamswykus gewandert, oder man traf sich auf der „halben
Trepp"; so nannten wir die mit Tisch und Bänken ausgestatteten Rastplätze, die beiderseitig auf halber Höhe der zum Gastgarten führenden Treppe eingerichtet waren.Von dieser Stelle aus konnte man dem abendlichen Gesang der Nachtigallen und der anderen Vögel lauschen.
Unterhalb von Radtkes Land war stromabwärts eine wunderbare Sandstelle im Fluß, in der man so herrlich im Sand wühlen, aber auch mit Sand werfen konnte. An einer tieferen Stelle lag ein großer Stein im Wasser, der allen als Sprungbrett diente. Weiter flußabwärts gab es einen lehmigen Steilhang, der immer naßgespritzt und so zur idealen Rutschbahn wurde. Im
man so herrlich im Sand wühlen, aber auch mit Sand werfen konnte. An einer tieferen Stelle lag ein großer Stein im Wasser, der allen als Sprungbrett diente. Weiter flußabwärts gab es einen lehmigen Steilhang, der immer naßgespritzt und so zur idealen Rutschbahn wurde. Im Steilhang hatten die Rauch- und Flußschwalben ihre Höhlen und Nester. Die Büsche am Hang waren unsere

Steilhang hatten die Rauch- und Flußschwalben ihre Höhlen und Nester. Die Büsche am Hang waren unsere besten Umkleidekabinen. Unser Hof (Wartat) lag zwar oberhalb des Hanges, doch wir hatten uns schon Trampelpfade und Stufen in den Hang gearbeitet, so daß wir sehr schnell zum Fluß hinunterrasen konnten.

Ein besonderes Erlebnis war es, in den heißen Monaten am Sonntagmorgen mit den Pferden in die Schwemme zu reiten. Viele Menschen mögen glauben, daß Pferde nicht schwimmen können, doch an tiefen Stellen des Flusses schwammen die Tiere so schnell, daß wir Kinder Mühe hatten, uns an den Mähnen festzuhalten, um nicht abzutreiben. Im flachen Bereich wurden die Pferde tüchtig gebürstet, anschließend ritten wir noch ein paarmal durchs tiefe Wasser, und ab ging es wieder nach Hause.
Aber auch im Winter hatte die Angerapp ihre Reize und Gefahren; der Fluß war in jedem Jahr zugefroren. Das Holz, das in den Angerapphängen geschlagen worden war, wurde im Winter, wenn das Eis auf der Angerapp dick genug war, mit Pferdeschlitten abgefahren. Man konnte auf dem Eis Schlittschuh laufen, oder aber nur „schorren" mit den dafür hergerichteten Klumpen. Wenn das Eis einigermaßen glatt war, wurde auch mit selbst gefertigten Schlägern Hockey gespielt. Natürlich wurde auch an den Angerapphängen viel gerodelt. An schönen
Sonntagnachmittagen kamen sogar die Jugendliche aus Stobingen (Rudi Jagst, Erich Stakowski, E. Burat, Gerhard Stiemert, Kurt Killmann u.a.), um sich mit denen aus Tammowischken zum gemeinsamen Rodeln auf Radtkes Berg zu treffen. Dieser lange Hang ohne Büsche war ideal für diesen herrlichen Wintersport; wir hatten, Groß und Klein, immer  einen riesigen Spaß. Wenn unsere Kleidung dann naß und voller Eiszapfen war, suchten wir schnell den heimischen warmen Ofen auf. Die Größeren wärmten sich aber lieber bei
„Schabo" mit einigen kräftigen Grogs auf!
Aber auch in der Lopke machte das Rodeln immer Spaß. Selbst wenn es im Frühjahr nach der Tauzeit und nach kräftigen Regenfällen dann wieder Frost gab, wurde die Lopke zur perfekten Eisbahn. Mit den Schlitten ging es rauschend bergab über Büsche und Steine; zum Glück gab es danach den Meister Riedel, der unsere Schlitten immer reparierte — arg Verletzte gab es eigentlich nicht.
Ende Februar, spätestens Anfang März hörten wir dann bis zum Dorf das starke Krachen und Knallen; wir wußten, der Eisgang beginnt. Nach einigen Tagen kamen die großen Eisschollen in Bewegung. Da der Fluß im Winter immer Hochwasser führte, waren die niedrigen Flußtäler mit Eisschollen bedeckt, beim Eisgang schoben sich dann die riesigen Eisschollen am Berghang zu hohen Türmen zusammen. Wir jungen Leute hatten natürlich mit den Eisschollen allen möglichen Unsinn und gefährliche Taten vor. So erinnere ich mich, daß Hans Kankeleit plötzlich mit einer Eisscholle flußabwärts sauste. Er warf seinen Freunden seine Uhr zu und rief: „Grüßt meine Mutter" — zum Glück konnte er nach einigen hundert Metern wieder heil an Land kommen. Natürlich haben auch andere Jugendliche oft gefährliche Situation beim Hinauf- und Hinunterspringen auf Eisschollen erlebt, aber bis auf nasse Kleidung ist uns kein größerer Schaden bekannt geworden.
Unser Hof (Wartat) lag zwar oberhalb des Hanges, doch wir hatten uns schon Trampelpfade geschaffen.
Ein besonderes Erlebnis war es, in den heißen Monaten am Sonntagmorgen mit den Pferden in die Schwemme zu reiten. Viele Menschen mögen glauben, daß Pferde nicht schwimmen können, doch an tiefen Stellen des Flusses schwammen die Tiere so schnell, daß wir Kinder Mühe hatten, uns an den Mähnen festzuhalten, um nicht abzutreiben. Im flachen Bereich wurden die Pferde tüchtig gebürstet, anschließend ritten wir noch ein paarmal durchs tiefe Wasser, und ab ging es wieder nach Hause.
Aber auch im Winter hatte die Angerapp ihre Reize und Gefahren; der Fluß war in jedem Jahr zugefroren. Das Holz, das in den Angerapphängen geschlagen worden war, wurde im Winter, wenn das Eis auf der Angerapp dick genug war, mit Pferdeschlitten abgefahren. Man konnte auf dem Eis Schlittschuh laufen, oder aber nur „schorren" mit den dafür hergerichteten Klumpen. Wenn das Eis einigermaßen glatt war, wurde auch mit selbst gefertigten Schlägern
Hockey gespielt. Natürlich wurde auch an den Angerapphängen viel gerodelt. An schönen Sonntagnachmittagen kamen sogar die Jugendliche aus Stobingen (Rudi Jagst, Erich Stakowski, E. Burat, Gerhard Stiemert, Kurt Killmann u.a.), um sich mit denen aus Tammowischken zum gemeinsamen Rodeln auf Radtkes Berg zu treffen. Dieser lange Hang ohne Büsche war ideal für diesen herrlichen Wintersport; wir hatten, Groß und Klein, immer  einen riesigen Spaß. Wenn unsere Kleidung dann naß und voller Eiszapfen war, suchten wir schnell den heimischen warmen Ofen auf. Die Größeren wärmten sich aber lieber bei
„Schabo" mit einigen kräftigen Grogs auf!
Aber auch in der Lopke machte das Rodeln immer Spaß. Selbst wenn es im Frühjahr nach der Tauzeit und nach kräftigen Regenfällen dann wieder Frost gab, wurde die Lopke zur perfekten Eisbahn. Mit den Schlitten ging es rauschend bergab über Büsche und Steine; zum Glück gab es danach den Meister Riedel, der unsere Schlitten immer reparierte — arg Verletzte gab es eigentlich nicht.
Ende Februar, spätestens Anfang März hörten wir dann bis zum Dorf das starke Krachen und Knallen; wir wußten, der Eisgang beginnt. Nach einigen Tagen kamen die großen Eisschollen in Bewegung. Da der Fluß im Winter immer Hochwasser führte, waren die niedrigen Flußtäler mit Eisschollen bedeckt, beim Eisgang schoben sich dann die riesigen Eisschollen am Berghang zu hohen Türmen zusammen. Wir jungen Leute hatten natürlich mit den
Eisschollen allen möglichen Unsinn und gefährliche Taten vor. So erinnere ich mich, daß Hans Kankeleit plötzlich mit einer Eisscholle flußabwärts sauste. Er warf seinen Freunden seine Uhr zu und rief: „Grüßt meine Mutter" — zum Glück konnte er nach einigen hundert Metern wieder heil an Land kommen. Natürlich haben auch andere Jugendliche oft gefährliche Situation beim Hinauf- und Hinunterspringen auf Eisschollen erlebt, aber bis auf nasse Kleidung ist uns kein größerer Schaden bekannt geworden.

 

Die Angerapp
von Onkel Bremse
Die Angerapp fließt silberhell vom Süden nach dem Norden,
der Mauersee, er ist ihr Quell, dort ist sie jung geworden!
Sie schlängelt sich dann fleißig fort durch Felder, Wald und Auen,
berührt auch hie und da 'nen Ort und läßt sich oftmals stauen.
Vor unserer Stadt, da wird sie faul und fängt gar an zu schmollen,
sie nennt sich dort gar „Tambourkaul" und fühlt sich sehr geschwollen!
Sie setzt behäbig ihren Lauf dann langsam fort und leise
und sieht zu unserm Städtchen rauf und hört 'ne zarte Weise,
die aus den Gärten hell erklingt die steil am Ufer thronen,
hört, wie 'ne Kinderstimme singt als wollt man sie entlohnen!
Scheint sommertags die Sonne warm, ist heiß es sehr und schwüle,
dann nimmt sie uns in ihren Arm, schenkt Frische uns und Kühle.
In ihrem Wasser spielt der Hecht, der Barsch, der Aal, der Zander
und andre Fische, gut und schlecht, drin leben beieinander!
Bei Sunkeln gibt es Fische drin wahrhaftig wie die Riesen!
Drum fährt auch gern der Angler hin zu unsern „Sunkler Wiesen"!
Dort sieht man öfter Mann an Mann an ihren Ufern stehen
und mal beißt da der Hecht auch an, erhört der Angler Flehen,
die morgens früh um fünfe schon bepackt die Stadt verlassen

(weil Mutter vollgestopft dem Sohn die Taschen, die's kaum fassen)!
Und wenn er dann nach Hause geht mit einem Hecht, dem schweren,
und dort den Rucksack, wie Ihr seht, mit Freuden wird entleeren,
dann hat getan sie ihre Pflicht die Angerapp mal wieder,
der Mutter strahlet das Gesicht, der Sohn singt frohe Lieder!!
Und kommt heran die Winterszeit und einsam wirds in Sunkeln
und wenn es friert und stiemt und schneit, dann unsere Angler munkeln
vom Eisgang schon und von der Lust zu „keschern" viele Fische!
Gar mancher wirft sich in die Brust, wenn er dann sitzt am Tische
auf dem der Querschnauz, Däbel, Hecht gebraten steht in Butter
und lächelnd dabei, ganz mit Recht die Köchin steht, Frau Mutter!!!
Und weiter noch zur Winterszeit die Angerapp muß spenden
das Eis, das sie just hält bereit, gibt Arbeit vielen Händen!
Und kommt sie nun am Überfall ganz langsam schon und trübe
stürzt sie sich noch mit Wogenschwall der Mühle ins Getriebe,
um hinterher, so leicht und klar und plätschernd aufzuleben
und immer weiter, Jahr für Jahr dem Ziele zuzustreben!

Hinter dem Pseudonym „Onkel Bremse" verbirgt sich unser Ldsm. Fritz Thews,



Die Angerapp
Ruhig und sanft dahinfließend bahnt sie sich ihren Weg durch hügeliges Gelände. Nur dort, wo flaches Wasser durch große Steine versperrt wird, plätschert es in starker Strömung. Das Wasser ist kristallklar. Im Sonnenschein blitzt das Schup¬penkleid der Fische. In Ufernähe spielen die Schwärme der Jungfische im flachen Wasser. Dicht über der Wasseroberfläche tanzen Wasserläufer und schillernde Libellen. Der Kalmus duftet, Wasserlilien und Wasserrosen blühen, schaukeln von den Wellen getragen. An vielen Stellen des Flusses wachsen verschiedene Gras¬arten, die den kleinen Fischen Schutz bieten vor dem räuberischen Hecht.
Die Ufer sind mit Schilf gesäumt und gehen über in Gebüsch oder Weideland. In Wassernähe gedeihen Erlen besonders gut. Man findet aber auch Eschen, Pap¬peln und Weiden — einen reichen Baumbestand. Hier und dort leuchten auf ebe¬nen Flächen die Früchte der Äcker. An den Hängen weiden Rinderherden. Wenn in der Mittagszeit brütende Hitze über dem Land lastet und die Luft davon flim¬mert, dann stehen Kälber und Kühe dicht gedrängt in den Flußtränken, um sich Kühlung zu verschaffen.
Im Herbst verschwendet der große Malermeister seine Farben und verzaubert das Grün in eine leuchtende, bunte Pracht. Ach, wie reizvoll ist die Angerapp auch jetzt, wenn das Laub unter den Füßen raschelt, vom nahen Acker der Rauch des Kartof¬felfeldes herüberzieht und die Laute der Tiere die friedvolle Stille mit Leben erfüllen!
Unser Fluß ist auch im Winter schön. In den meisten Jahren trägt er eine Eisdecke, unter der das Wasser seinen Lauf nimmt. Bedeckt der Reif Bäume und Büsche mit seinen Kristallen, dann bietet die von der Sonne angestrahlte Landschaft ein un¬vergessenes Bild

Die warme Frühjahrssonne schmilzt Schnee und Eis und macht die Erde bereit für die ersten blühenden Frühlingsboten und für die neue Saat. Der an solchen son¬nigen Frühlingstagen überaus intensive Geruch der Erde betört die Sinne und läßt den Menschen eins werden mit der Natur, deren Teil er ist.
Nirgends strahlt die Erde einen so starken Geruch aus wie in meiner ostpreußi¬schen Heimat — wie an der Angerapp!
Als ich diese Erinnerungen aufschrieb, ahnte ich nicht, daß es ein Wiedersehen mit der Angerapp geben würde.
Unser guter, alter Fluß — er fließt noch! Verändert hat er sich zwar. Er ist schmaler geworden, führt im nördlichen Bereich nicht so viel Wasser, und es ist nicht mehr so klar wie früher. Man muß manchmal ein bißchen suchen, weil Bäume und Büsche sehr groß geworden sind und den Wasserlauf verdecken. Die uns ver¬trauten Stege und die Zäune der Weidegärten suchen wir vergebens. Man erkennt aber noch die Schluchten und die freien Ackerflächen, wo einstmals fleißige Bau¬ern in harter Arbeit den Boden bestellten, und wo das Korn reifte.
Die Viehtränken gibt es nicht mehr, auch unsere alten Badestellen sind ver¬schwunden und zugewachsen. Unweit der alten Furt finden wir eine Brücke. Trotz¬dem hat die frühere Durchfahrtstelle ihre Bedeutung nicht verloren. Ein Tankwa¬gen benutzt sie, um Wasser für die weiter landein gelegenen Viehtränken zu holen. Ja, und Angelplätze und Badestellen gibt es natürlich auch — vielleicht nicht so vie¬le wie früher.
An anderer Stelle des Flusses sind drei kleine, hintereinanderliegende Inseln ent¬standen, aufgereiht wie eine Perlenkette.Das Umfeld läßt vermuten, daß hier Bi¬ber ihren Wohnsitz eingerichtet haben. Die Schwärme der Jungfische spielen im flachen Wasser, Libellen und andere Insekten huschen über die Oberfläche. Über¬aus üppig gedeihen in dem trockenen und heißen Sommer die Wasserpflanzen.
Es ist fast wie in unserer Kinderzeit. Die Angerapp bietet immer noch ein reizvol¬les Landschaftsbild, das zum Verweilen und zur Besinnung einlädt. Nur schwer trennen wir uns von dem Altvertrauten und Neuen.

 

Der Pregel

Der Pregel entsteht westlich von Insterburg aus dem Zusammenfluss von Inster und Angerapp und fließt in westliche Richtung durch weites Flachland. Er hat über die Deime, die bei Tapiau abzweigt, eine Verbindung zum Kurischen Haff sowie über die Deime und den Großen Friedrichsgraben eine Verbindung zur Memel.
Der Fluss spaltet sich in zwei Arme, den Alten Pregel sowie nördlich davon den Neuen Pregel. An der Insel Kneiphof vereinigen sich die Arme wieder.
Der Pregel mündet hinter Königsberg in das Frische Haff.
Verkehrsbedeutung
Der Fluss ist auf der ganzen Länge schiffbar. Die Bedeutung dieser Wasserstraße hat jedoch seit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Königsberg — Insterburg im 19. Jahrhundert nachgelassen.


Städte am Pregel
• Insterburg
• Wehlau
• Tapiau
• Königsberg (Pr.)

• Wichtigste Zuflüsse
• Alle
• Angerapp

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Quellenangaben
1. Verschiedene Artikel aus den Internet – Suchmaschinen
Google und
Wikipedia
2. Angerapper Heimatbriefe

Bearbeiter: Fritz Pauluhn, Osterbruchweg 3, 30966 Hemmingen
Geboren: 1930 in Schabienen (Kleinlautersee) Kreis Angerapp

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Die Orte an der Angerapp
LfdNr- Ort- Kreis- Anmerkung
1 Angerburg Angerburg
2 Stullichen
3 Angertal
4 Wensen
5 Sanden Angerapp
6 Jürgenshof Enmündung der Goldap
7 Eibenburg
8 Groß Sobrost
9 Brosen
10 Klein Angerapp
11 Medunen
12 Großmedien
13 Ramberg
14 Adlermark
15 Alt Thalau
16 Neu Thalau
17 Auerfluß
18 Kreuzstein
19 Jungferngrund
20 Klein Auerfluß
21 Angerapp
22 Klein Kamanten
23 Kamanten
24 Grobienen
25 Schöppfelde
26 Balsken
27 Lorenzfelde Gumbinnen
28 Jäkstein
29 Angerhöh
30 Angermühle
31 Wiekmünde Einmündung der Wiek
32 Reckeln
33 Tutteln
34 Nemmersdorf
35 Langenweilen
36 Krügertal
37 Bergerbrück
38 Mertinshagen
39 Norbuden
40 Lamphagen
41 Ringfließ
42 Kanthausen
43 Hohenwerder
44 Krausenbrück
45 Altlinden
46 Vierhufen
47 Moorhof
48 Jessen Insterburg
49 Angerbrück
50 Walkenau
51 Bergfriede Einmündung der Pissa
52 Schweizersdorf
53 Tamman
54 Angerlinde
55 Kamswiken
56 Georgenhorst
57 Insterburg Vereinigung mit der Inster
58 Insterburg ab hier Pregel