In Rheinsberg gibt es jetzt eine

Siegfried-Matthus-Arena

 

 

Von UTE SCHINDLER
Dem Komponisten Siegfried Matthus wurde eine große Ehre zuteil. In Würdigung seiner Verdienste um die märkische Stadt Rheinsberg, einstiger Musenhof der Preußenprinzen Friedrich (später Fried¬ich II,) und Heinrich, erhielt eine große Veranstaltungsarena im neu entstandenen Hafendorf Rheinsberg seinen Namen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias P1atzeck war zur Eröffnung gekommen, „Rheinsberg ist dank einer Kammeroper weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus ein Inbegriff für Niveau und Qualität in Sachen Oper und Klassik und ein Anziehungspunkt für Kulturbegeisterte“, lobte er. Siegfried Matthus habe als kiinstlerischer Leiter der Kammeroper mit dem alljährlichen Festival für Nachwuchssänger etwas Einmaliges geschaffen. Rheinsberg sei durch dieses Engagement zur Festivalstadt und zum Gastgeber für die Weltelite einer jungen Sängergeneration geworden. Dieser Glanz strahle über die Stadt und die Region hinaus. Das zeige sich nicht zuletzt an der steigenden touristischen Bedeutung Rheinsergs als Kulturhauptstadt im Norden Brandenburgs.
Für Siegfried Matthus war dies ein lang ersehnter Tag,  der ihn sehr glücklich machte. Die Kammeroper kann künftig während der Festivalzeit bei unsicherer Witterung ihre Open-Air-Aufführungen vom Schloßhof oder Heckentheater in die Arena verlegen. Denn seit der Festivalgründung 1990 gab es bei den Open-Air-Aufführungen ein Problem:

Wohin, wenn es regnet? Ein Provisorium wechselte das andere ab. Das ist nun vorbei. Die Kammeroper hat neben dem Schloß-hof, dem Hecken- und dem Schloßtheater nun eine weitere Spielstätte. Sie faßt 1000 Besucher. Auch der Architekt der Hafendorfanlage und der Arena, Herbert Harm, sprach vom schönsten Tag in seinem 40jährigen Berufsleben, fand doch die 17jährige Arbeit an diesem Projekt nun ihre Vollendung. Harm, auf den die Idee der Namensverleihung zurückgeht, betonte, daß es für ihn wichtig sei, Siegfried Matthus zu Lebzeiten zu danken und zu ehren für das, was er für Rheinsberg geschaffen hat.
Komponist und Architekt haben vieles gemeinsam, und sie sind Visionäre. Siegfried Matthus reist seit den frühen 70er Jahren zu den Aufführungen seiner Musik durch ganz Europa, nach Amerika, nach Japan. Aber all die Jahre macht der ganzen Welt ein Ort Konkurrenz: Rheinsberg.
1990 war die Zeit reif dafür. - Siegfried Matthus gründete die K a mm er o p er Schloß Rheinsberg, führte das Festival zu internationalem Renommee und leitet es bis heute.
Durch den Krieg waren der ostpreußische Junge und seine Familie ins märkische Land gekommen. In Rheinsberg besuchte Siegfried Matthus die Oberschule, leitete den Schulchor und hier beschloß er auch, Komponist zu werden. Er studierte in Berlin und warb überall und immer für seine Vision, die einstige Prinzen-Residenz in einen modernen Musenhof zu verwandeln.
Der Architekt Herbert Harm ist Operfan. Er baute am Rheinsber-ger See eine Ferienanlage, das Hafendorf. Zusammen entwickel-ten sie nun die Idee: Das Hafendorf könne doch mit einer Hotelanlage und einer Theater-Arena ergänzt werden. Der Markenname „Kammeroper Schloß Rheinsberg" war dabei das berühmte Pfund, mit dem es zu wuchern galt. Herbert Harm tat es, führte unzählige Gespräche mit Investoren, Banken, dem Land, den kreislichen Behörden, bis das Projekt langsam Form annahm.
„Es war ein langer Atem notwendig, und manchem ist sicher auch der Glaube verloren gegangen, daß meine Pläne noch Wirk-lichkeit werden", sagt Herbert Harm heute.
Und das Ereignis wurde mit einem Festkonzert und 800 Gästen gefeiert. Prominente aus Politik und Kunst waren gekommen und sogar Freunde von Siegried Matthus aus Kindertagen in Ostpreußen, wie Christel Glin¬demann und Marianne Busch.
Beim Konzert begeisterten junge Sänger der Kammeroper Dorothea Kaeppel, Ji Young Michel, Marco Jentzsch und Sung Kon Kim sowie die Brandenburger Symphoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Michael Helrnrath.
Es erklangen Bravourarien aus Opern unter anderem von Rossini phantastisch Ji Young Michel als Cenerentola, Marco Jentzsch brillierte in der Arie des Faust (Gounod) mit makellosen, klangschönen hohen c. Dem Anlaß gemäß stand auch Musik von Siegfried Matthus auf dem Programm -— unter anderem aus seiner Oper „Judith". Sung Kon Kim beeindruckte dabei mit der dramatischen Arie des Hoblofernes.
Der orgiastische Tanz des Dionysos aus Matthus' „Ariadne" ließ die Arena zum Schluß quasi erbeben. Effektvoll der Einsatz des Schlagwerks, dessen Glockenschläge dann das Konzert beendeten. Die Siegfried-Matthus-Arena wird fortan das Kulturangebot Rheinsbergs bereichern.



WUNDERBARE WELT DER MUSIK

Siegfried Matthus und die Kammeroper Schloß Rheinsberg

 

Silke OSMAN sprach mit dem künstlerischen Leiter des Festivals, Siegfried Matthus, über die Besonderheiten von Rheinsberg und das Festival.

 

Sie feiern Erfolge in aller Welt. Ihre Kompositionen werden in New York und in St Petersburg aufgeführt. Immer aber zieht es Sie zurück nach Rheinsberg, wo Sie 1990 die KammeroperRheinsberg ins Leben riefen. Ein Jahr später dann wurde der erste Rheinsberg Festivalsommer durchgeführt.
Nun findet er in diesem Jahr zum 13. Mal statt. Grund zum Aberglauben oder eher ein Grund zur Freude? Was fasziniert Sie als Ostpreußen so sehr an Rheinsberg, Herr Matthus?


Siegfried Matthus: Die 13 ist in meinem Leben eine Glückszahl; bin ich doch an einem 13. geboren, der auch noch ein Freitag war! Gleich nach den prägenden ersten zehn Lebensjahren bin ich aus meinem ostpreußischen Dorf Mallenuppen nach Rheinsberg gekommen und habe dort meine Oberschulzeit verbracht. Auch hier ist eine enge Bindung entstanden, die immer angehalten und zu der Gründung des Festivals zur Förderung internalionaler junger Opernsänger geführt hat. Rheinsberg ist natürlich ganz anders, als mein verträumtes ostpreußisches Dorf war.
Es fällt mir schwer, Parallelen zu ziehen und Gründe für eine Antwort auf Ihre Frage zu suchen. Für mich sind beide Orte durch meine Kindheit und meine Jugend verbunden.

 

Hat sich der Charakter des Festivals eigentlich geändert im Laufder Jahre? Und woher kommen die Teilnehmer?


Matthus: Tatsächlich hat sich das Festival verändert und entwickelt. Was im Jahre 1990 ein zaghafter Versuch und ein wenig beachtetes Unternehmen war, ist zu einem weltweit anerkannten und begehrten Festival geworden. Junge Sänger aus der ganzen Welt wollen in Rheinsberg singen. Bei der Ausschreibung haben sich wieder über 400 Sänger gemeldet. Im Januar hatten wir schon ein Vorsingen in New York, bei dem interessante Sänger angetreten sind. Dann haben wir fünf Tage lang in Deutschland weitere Sänger gehört und mußten aus der Vielzahl 35 auswählen, auf die Opernrollen in Rheinsberg warten.

Die Teilnehmer kommen tatsächlich aus allen Ländern der Welt. Besonders stark vertreten sind junge begabte Sänger aus Südkorea und weiteren asiatischen Ländern. Aber auch aus Südafrika und selbstverständlich aus den europäischen Ländern kommen weitere Kandidaten.

 

Nicht nur daß Sie junge Sängerinnen und Sänger fördern, Sie unterstützen auch junge Komponisten in ihrer Arbeit. Wie?


Matthus: Als junger operndürstiger Komponist hatte ich das große Glück, an die von Walter Felsenstein geleitete Komische Oper zu kommen. Dort habe ich, umgeben von der Praxis, das Opern-Komponieren gelernt. Diese wichtigen Erfahrungen möchte ich an junge Kollegen weitergeben und habe deshalb die günstigen Bedingungen der Verbindung mit den jungen Sängern in Rheinsberg genutzt, um im Rahmen einer Opernwerkstatt mit jungen Autoren neue Werke zu entwickeln.

 

Auf dem Festival wird Ihr „musikalischer Sommernachtstraum" uraufgeführt. Texte von Hebbel (Judith) und Rilke (Der Cornet) haben Sie früher zu neuen Werken angeregt, aber auch solche von Lessing, Herder oder Heine, von Bobrowski. Nun ist es Shakespeare, der Sie inspirierte, wie Ihre Landsleute Otto Nicolai und Hermann Gustav Goetz, die mit ihren Opern „Die lustigen Weiber von Windsor" und „Der Widerspenstigen Zähmung" dem großen Dichter ein musikalisches Denkmal schufen. Warum Shakespeare? Welche Texte haben Sie ausgewählt?

Matthus: Aus vielfachen Gründen mußten und haben wir uns entschieden, in diesem Sommer romantische Opernszenen, die für das Heckentheater besonders geeignet sind, aufzuführen. Damit der Abend nicht ein kostümiertes Opernkonzert wird, mußte der derzeitige Haus- und Hofkompoist Siegfried Matthus einige verbindende Teile komponieren. Das schien anfangs eine kleine Zwischenarbeit zu sein, weitete sich dann aber in ein umfangreiches Unternehmen aus.

Bitte verstehen Sie meine Situation: ich komponiere derzeit an meiner Oper. „Die unendliche Geschichte", die im April nächsten Jahres uraufgeführt werden soll und die noch nicht fertig ist. Also fielen in diesem Jahr die Vorweihnachtszeit, Weihnachten und Silvester bei mir aus, und ich schrieb in diesem Winter einen Sommernachtstraum.

Dabei nahm ich als Grundlage die Sommernachts- traummusik von Mendelssohn. Titania, Oberon, Puck, Elfen und Waldgeister wirbeln die gesamte romantische Opernliteratur, die Sänger und die Zuschauer durcheinander und führen ein spukhaftes Spektakel vor, für das sich Puck am Schluß entschuldigt: ihr alle schier habet nur geschlummert hier und geschaut in Nachtgesichten eures eignen Hirnes Dichten."
— Es war eine große Freude, mit den Texten des unergründlichen Shakespeare, der wunderbaren Musik von Mendelssohn und den Opernszenen von Weber, Dvoràk, Humperdinck und nicht zuletzt meines ostpreußischen Landsmannes Otto Nicolai dieses Stück zu gestalten.

 

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch, Herr Mattbus, und wünschen Ihnen toi, toi, toi für das 13. Festival.

 



Siegfried Matthus ist mit dem Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet worden